Der Steinzeit auf der Spur

Ein fächerübergreifendes Forschungsprojekt für den Schulunterricht

Ein völlig neues und in der Region Oberschwaben einzigartiges museumspädagogisches Forschungsprojekt ist im Zuge der Bildungsoffensive am Federseemuseum Bad Buchau entstanden.

Archäologen des Federseemuseums haben in transnationaler Zusammenarbeit mit Naturwissenschaftlern und Landeskundlern der Pädagogischen Hochschulen in Weingarten und im Thurgau (Schweiz) ein didaktisch-methodisches Konzept entwickelt, das den Schülern auf einer speziell präparierten (jungsteinzeitlichen) Ausgrabung die Möglichkeit zum selbständigen Lernen bzw. Forschen bietet (BAUMEISTER, DIECKMANN, BLANK  &  WALTER 2010).

Als außerschulischer Lernort öffnet das Federseemuseum einmal mehr jungen Menschen die Tür zum aktiven Wissenserwerb. Mit diesem Forschungsprojekt wird eine neue Dynamik des Lernens initiiert. 
Auf interaktiver Ebene werden die Schüler, losgelöst vom Klassenverband, angesprochen, eingebunden und herausgefordert und bringt die Archäologie in die Schule und die Schule ins Museum.

Das Lernangebot nimmt die Kinder mit auf eine Zeitreise und Spurensuche in die Vergangenheit: Wie  lebten die Menschen während der späten Jungsteinzeit in unserer Region? Weniger das Nachempfinden des Steinzeitlebens steht im Vordergrund, als vielmehr die Einsicht, wie Wissenschaftler unterschiedlicher Fachbereiche in interdisziplinärer Zusammenarbeit eine wichtige prähistorische Epoche unserer (lokalen) Vergangenheit entschlüsseln und deren Lebenszusammenhänge und Umweltaspekte aufdecken.

Auf ihrer Reise werden die Kinder zu Wissenschaftlern und Entdeckern und dürfen auf einer speziell präparierten jungsteinzeitlichen Ausgrabung - zugleich auch Herzstück des Projektes - die Menschheitsgeschichte selbständig erforschen, entdecken und begreifen.

Die Forschungsgrabung mit originalgetreu präparierten Siedlungsbefunden der späten Jungsteinzeit bietet die ideale Möglichkeit zum selbsttätigen Lernen bzw. Forschen. Als fächerübergreifendes Projekt verbindet das Lernangebot die Archäologie mit den Wissenschaften und Schulfächern Biologie, Geschichte und Geographie und soll bei den Schüler/innen sowohl die Faszination an den Ursprüngen unserer Kultur als auch an der modernen Wissenschaft mitsamt ihren fachlich orientierten Arbeitsmethoden wecken. Dieser Einblick gewinnt umso mehr an Authentizität, da das Federseemuseum mit seinem weitläufigen Freigelände die Kulisse für eine „echte“ archäologische Ausgrabung unter Leitung echter Archäologen bietet.

Kernaspekte des Projektes

Die Jungforscher werden zu Spezialisten in verschiedenen Fachgebieten ausgebildet:
  • Archäozoologen untersuchen die Knochenreste prähistorischer Wild- und Haustiere. (Tierknochen enthalten Informationen über Art, Größe und Alter der Haus- und Wildtiere im Federseemoor).
  • Archäobotaniker analysieren gefundene Pollenkörner  und im Moor erhaltene Pflanzenreste (Makroreste) wie z.B. Samen und Früchte. (Pflanzenreste geben Hinweise auf Ackerbau, Waldnutzung und Sammelwirtschaft der steinzeitlichen Siedler; Blütenstaub liefert Erkenntnisse über den Wandel der Vegetation
  • Dendrochronologen bestimmen das Alter von neolithischen Bauhölzern auf wenige Jahre genau. (Jahresringe aus Holz verraten das Alter eines Baumes und damit auch die Bauzeit unserer Steinzeitsiedlung).
  • Typologen bestimmen steinzeitliche Artefakte und ordnen die Tonscherben einer steinzeitlichen Kultur zu. (Tonscherben und ihre Verzierung entschlüsseln Alter, Herkunft und Gebrauch der steinzeitlichen Gefäße).
Unter Berücksichtigung der verschiedenen Bildungspläne werden unterschiedliche didaktische Konzepte und Methoden eingebunden:
  • Forschend-entdeckendes Lernen
  • Kooperatives Lernen
  • Handlungsorientiertes Lernen
  • Regionales Lernen
  • Fachübergreifendes Lernen
  • Situiertes Lernen
Dieses Lernangebot bietet die Chance, vielfältige Lernziele zu verwirklichen und Kompetenzen zu fördern:
  • Beobachten – Beschreiben – Fragen
  • Hypothesen bilden
  • Komplexe Sachverhalte gliedern
  • Daten durch Messen, Beschreiben und Vergleichen gewinnen
  • Teilprobleme zusammenfügen und auswerten
  • Einüben von Fachsprache
  • Ergebnisse reflektieren
  • Wissenschaft kritisch betrachten
  • Kooperation und Kommunikation steigern
  • Über biologische Vielfalt staunen
  • Wechselbeziehungen von Arten verstehen
  • Lebensräume und anthropogenen Umweltveränderungen erkennen
  • Zusammenspiel von Natur und Kultur erfassen
  • Entwicklung des Menschen begreifen

Weitere Informationen zum Schüler-Grabungsprojekt:

BAUMEISTER, R., DIECKMANN, U. BLANK, R. & R. WALTER (2010): Der Steinzeit auf der Spur- ein fächerübergreifendes Forschungsprojekt für den Schulunterricht. In: BAUMEISTER, R. (Hrsg.): Verein für Altertumskunde und Heimatpflege mit Federseemuseum Bad Buchau, Marc Hermann,  Aalen-Waldhausen.

Flyer "Der Steinzeit auf der Spur" (pdf)

Pressemitteilung zur Verleihung des Regionalpreis 2011 an Dr. Ursula Dieckmann (pdf)

Leitfaden für Lehrer (pdf)

http://www.federseemuseum.de/

Kontakt:
info@federseemuseum.de

dieckmann@ph-weingarten.de