Schul(haus)geschichte

Erforschung von Schulhäusern im ländlichen Raum als wertvolle Zeugnisse der Kultur- und Bildungsgeschichte

Ein Projekt von Prof. Dr. Erich Müller-Gaebele, Projekt der Arbeitsstelle für Schulgeschichte

Um 1900 konnten im heutigen Landkreis Ravensburg rund 100 Schulgebäude außerhalb der Städte gezählt werden. Sie standen in der Regel in den Ortskernen der stark landwirtschaftlich geprägten Dörfer der Region. Was ist aus diesen für die Dorfentwicklung wichtigen Schulhäusern geworden? Wie viele sind erhalten geblieben, wie viele sind umgebaut worden, wie viele sind verschwunden? Diese Fragen beschäftigten uns, als wir in einem Schulhandbuch genaue Beschreibungen aller um 1900 existierenden Schulorte fanden. Daraus entstand die Idee, eine Bestandsaufnahme aller damaligen Schulgebäude zu erstellen. Beabsichtigt ist damit herauszufinden, wann und wie die Schulhäuser entstanden sind und wie die Gemeinden durch Um- und Ausbauten oder auch durch Neubauten bestrebt waren, ihre Schulgebäude den Veränderungen der dörflichen Lebensverhältnisse anzupassen.

Die Rekonstruktion der Baugeschichte ist untrennbar mit der Berufs- und Lebensgeschichte der an den Schulorten tätigen Lehrpersonen verknüpft, denn weit bis in das 20. Jahrhundert hinein wohnten sie in den Schulhäusern, die Gemeinden hatten für Dienstwohnungen zu sorgen.

Nach Beginn des Projekts vor einem halben Jahr zeigte sich bald, dass jedes der besuchten und fotografierten Schulgebäude eine sehr individuelle, lokal gefärbte Geschichte aufweist, die erst durch Recherchen vor Ort, in Archiven und in Gesprächen mit Zeitzeugen greifbar wird. Dennoch, das Erforschen der Schulorte hat begonnen. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet der studentische Mitarbeiter Oliver Bantle, der als gelernter Fotograf die historischen Schuldenkmale im Bild festhält.